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Rückblick
Protokoll

Treffen mit den Kreis­behörden

Datum: Mittwoch, 22. Juli 2026
Ort: Viersen (Besprechung & Vor-Ort-Begehung Bockerter Heide)

⚠️ Hinweis zur Protokollführung (Disclaimer)

Die hier zusammengetragenen Informationen basieren auf den Aufzeichnungen und Gedächtnisprotokollen verschiedener Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens. Da die Schilderungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfasst wurden, können Einzelheiten voneinander abweichen. Sollten Sie fehlerhafte Angaben entdecken oder Ergänzungen wünschen, freuen wir uns über eine kurze Nachricht per E-Mail.

👥 Anwesende Akteure

Treffen mit den Vertretern der Kreisbehörden des Kreises Viersen

1. Wohnorte & Abflusspfade: Woher kommt das Wasser?

Zu Beginn des Treffens stand eine detaillierte geografische Bestandsaufnahme im Vordergrund. Die Mitglieder der Bürgerinitiative stellten anhand konkreter Karten die Wohnorte der betroffenen Anwohner sowie die wesentlichen oberirdischen Fließwege vor. Ziel war es aufzuzeigen, wie und wo sich das Oberflächenwasser bei Starkregenereignissen formiert, über die Hänge der Bockerter Heide abfließt und schließlich unreguliert in Richtung der Wohnbebauung schießt. Diese gemeinsame Betrachtung bildete die Grundlage für ein geplantes Maßnahmenkonzept, das im Auftrag der Stadt simuliert werden müsste, um die Notwendigkeit gezielter Barrieren zu verifizieren.

2. Flächenverfügbarkeit & landwirtschaftliche Kooperation

Ein zentrales Nadelöhr jeder effektiven Starkregenprävention ist die Flächenverfügbarkeit. Die Behördenvertreter wiesen darauf hin, dass kreis- und kommunaleigene Grundstücke in dieser Region fast ausschließlich bewaldet sind, was bauliche Maßnahmen erschwert. Für effektive Schutzstreifen oder Rückhaltebecken müssen daher auch andere Flächen herangezogen werden, wobei stets das partnerschaftliche Freiwilligkeitsprinzip im Vordergrund steht. Ein Flächenkauf kann eine Option sein; aussichtsreicher ist möglicherweise das Prinzip des Flächentauschs. Am Beispiel konkreter landwirtschaftlicher Flächen im betroffenen Einzugsgebiet wurde deutlich, dass diese Flächen derzeit nur zum Teil verfügbar sind. Neben Landwirten und der Kommune soll daher auch geprüft werden, ob Flächen im Besitz der Kirche liegen, um den dortigen Kirchenvorstand bezüglich einer Kooperation anzufragen.

3. Zusammenspiel von Hochwasser- und Naturschutz

Die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde, Albert Erkens und Christoph Kaschner, hoben hervor, dass die Kriterien und Zielvorgaben (KPIs) des Naturschutzes und der Starkregenprävention zwar nicht deckungsgleich sind, sich jedoch im Einzelfall hervorragende Synergieeffekte erzielen lassen. Als wichtiges Beispiel wurde die kürzlich durchgeführte Buchen-Tagung des NABU in der Bockerter Heide mit Günter Wessels genannt. Naturschutzfachliche Maßnahmen wie die Aufwertung von Biotopen oder temporären Feuchtgebieten können hervorragend als dezentrale Wasserrückhalteflächen dienen. Eine dauerhafte, starre Planbarkeit ist hierbei jedoch nicht immer gegeben; jeder Eingriff erfordert eine sensible Einzelfallentscheidung. Eine zusätzliche Begehung des NABU der Bockerter Heide unter dem Aspekt der Starkregengefahrenabwehr findet am 20.08.2026 statt.

Konkret besprochen wurde auch der Zustand der Feldwege links und rechts der Heide. Die Bürgerinitiative schlug vor, diese Wege von ihrem Asphaltbelag zu befreien und durch den städtischen Baubetriebshof mit einer versickerungsfreundlichen, schotterartigen, aber dennoch matschfreien Oberfläche auszustatten. Dies würde die Entstehung reißender Abflusskanäle auf den Wegen wirksam unterbinden und die Versickerung direkt vor Ort begünstigen. Für solche Maßnahmen links und rechts der Wege is die Landwirtschaftskammer ein wichtiger Abstimmungspartner.

4. Finanzierungswege & bürokratische Hürden

Die Umsetzung größerer Projekte scheitert selten an Ideen, sondern meist an komplexen Förderrichtlinien und langwierigen bürokratischen Prozessen. Die städtische Klimaabteilung wird als Schlüsselinstitution für die Akquise von Fördermitteln genannt. Diskutiert wurden unter anderem die GAK-Förderung für dezentralen Wasserrückhalt, ELER-Mittel sowie spezielle Programme zur Klimaanpassung in Kommunen in NRW (welche eine Förderquote von bis zu 80 % in Aussicht stellen). Das größte Problem in der Praxis: Die Kommune muss in der Regel zu 100 % in finanzielle Vorleistung gehen. Die Beantragung der Fördermittel inklusive der Genehmigung muss vor dem Beginn der eigentlichen Maßnahme erfolgen; erst nach deren Vollendung und der erfolgreichen Prüfung aller Dokumentationen erfolgt schließlich die 80-prozentige Auszahlung der Fördersumme. Dies erfordert die rasche Bereitstellung der vollständigen Haushaltsmittel im städtischen Haushalt. Das Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ ist leider bereits abgelaufen.

Zudem wurde die Förderfähigkeit von Maßnahmen an Gewässern gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) diskutiert. Zuständig für die Umsetzung dieser Maßnahmen ist zunächst der Wasser- und Bodenverband der Mittleren Niers. Dieser oder ggf. auch eine Kommune können Fördermittel erhalten, wenn sich die Maßnahmen direkt an oder in einem Fließgewässer befinden. Es gilt nun zu klären, ob Maßnahmen an kleineren Zuflussgewässern ebenfalls förderfähig sind. Die Bürgerinitiative hat zudem die Möglichkeit, eine Stellungnahme zum nächsten Bewirtschaftungsplan (Turnus 2027) abzugeben. Der Entwurf wird ab Mitte Dezember auf flussgebiete.nrw.de veröffentlicht; Bürger und Verbände können dazu offizielle Stellungnahmen einreichen.

5. Erste greifbare Erfolge nach dem großen Ortstermin

Ein herausragendes und sehr erfreuliches Ergebnis des fortlaufenden Austauschs war die prompte, unbürokratische Reaktion der beteiligten Stellen: Nur wenige Tage nach dem großen öffentlichen Ortstermin am 2. Juli kooperierten Herr Andreas Pook (Kreis Viersen), Herr Parviz Marandi (Wasser- und Bodenverband Mittlere Niers) sowie Herr Georg Gellissen (Zentrale Bauverwaltung Stadt Viersen) zügig und lösungsorientiert bei der Umsetzung. Während der Wasser- und Bodenverband das dringend notwendige Ausschaben verlandeter Gräben übernahm und auch den Bereich im Hammer Bach direkt vor dem Durchlass beim Spielplatz erfolgreich umsetzte, veranlasste Herr Gellissen seitens der Stadt das Abschälen der Bankette, damit die Maßnahmen des Verbandes optimal greifen können. Damit sind aus Sicht der Behörden nun alle kurzfristig ohne aufwendiges Verfahren möglichen Maßnahmen erfolgreich realisiert. Die Bürgerinitiative spricht den Akteuren hierfür ihren herzlichen Dank aus! Dies zeigt eindrucksvoll, wie fruchtbar der direkte Dialog sein kann. Für die dauerhafte Pflege – wie das regelmäßige Freischneiden zugewachsener Abflussrinnen – bleibt der Wasser- und Bodenverband der wichtigste Ansprechpartner. Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, kritische Beobachtungen oder Verstopfungen direkt mit Fotos und Adressangaben per E-Mail an info@mittlereniers.de zu melden.

6. Initiative für einen behördenübergreifenden Arbeitskreis

Um die komplexe Verteilung der Zuständigkeiten bestmöglich zu koordinieren und Maßnahmen ohne Reibungsverluste abzustimmen, empfahl Herr Pook nachdrücklich die Gründung eines festen, behördenübergreifenden Arbeitskreises. Eine solche Initiative müsste offiziell durch die Stadt Viersen ins Leben gerufen werden, da die Bürgerinitiative hierzu formal nicht befugt ist. Welche konkreten Vertreter aus den verschiedenen städtischen Ämtern und Fachabteilungen schließlich hinzugezogen werden können, ist derzeit noch völlig offen.

Die Bürgerinitiative wird sich in den kommenden Gesprächen intensiv darum bemühen, als feste Stimme der betroffenen Bürgerinnen und Bürger in diesen Arbeitskreis aufgenommen zu werden. Als potenzielle Kernmitglieder des Gremiums, deren Beteiligung von uns vorgeschlagen und angestrebt wird, stehen unter anderem im Fokus:

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Die Bürgerinitiative bittet alle Anwesenden und Betroffenen um die Zusendung weiteren Bild- und Videomaterials (Fotos von Überschwemmungen, vollgelaufenen Gräben oder kritischen Stellen) per E-Mail, um unsere Beweissicherung und die interaktive Medienkarte stetig zu ergänzen.

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